Freitag, 4. November 2016

Frauchen meldet sich zu Wort: Spielen mit Verstand!


Viele nennen sie einfach Balljunkies!
Hunde, die auf ihren Ball oder ein anderes Spielzeug geradezu süchtig sind.
Im guten Glauben daran, den Vierbeiner damit so richtig auszupowern, werfen viele Hundehalter das Spielzeug (gern gesehen ist auch die Ballschleuder) immer wieder durch die Luft. Wir ein Irrer jagd dann der Hund diesem hinterher. Auf den Ball fixiert nehmen sie von ihrer Umwelt kaum noch etwas wahr. Der Verstand wird ausgeschaltet. In solchen Moment ist besonders der Jagdinstinkt präsent, es wird gelauert (wann fliegt der Ball), fixiert (der Ball wird nicht aus den Augen gelassen), gehetzt und schlussendlich zugepackt. Der Instinkt ist hellwach. Denken ist in solchen Situationen eher schwierig. Dies merkt man auch daran, dass der Hund in diesen Situationen kaum ansprechbar oder in seiner Handlung auch nicht mehr stoppbar / abrufbar ist. Ebenfalls sind viele Hunde, mitten im Spiel schlichtweg nicht in der Lage, ein gut erlerntes Signal zuverlässig auszuführen. Die Aufregung ist zu hoch. Der Hund befindet sich in einem so hohen Erregungslevel - ist abwesend für die Umwelt - hat nur noch den Ball im Kopf und fixiert ihn.

Traurig auch, wenn die Hunde kaum aus dem Auto gelassen werden und schon dem Ball hinterher jagen (Ballschleuder aus dem Auto - und ab geht die Lutzie). Ihre Muskeln sind noch nicht warm. Die starke Beschleunigung, von Null auf Hundert sowie die ruckartigen Richtungswechsel (der Ball wird oft in irgendwelche Richtung geworfen, angetäuscht etc... egal wie der Hund grad steht) wirken sich sehr schlecht auf Muskulatur und Gelenke aus.
Erst wenn die Zunge schon fast den Boden berührt, denken sich viele Menschen "Jawoll, heute habe ich meinen Hund richtig ordentlich beschäftigt und ausgelastet - Super der ist müde für die nächsten 3-4 Stunden".
Ein großer Irrtum. Monotone Spiele wie das Ballwerfen sind kontraproduktiv, weil Stresshormone (Adrenalin) ausgeschüttet werden. Anstatt den Hund auszupowern, wird er so erst richtig hochgefahren.
Aber ist es denn schlimm, einen Hund dermassen hochzufahren? Muss man den Ball oder das Spielzeug zu Hause lassen? Nein – aber tun Sie Ihrem Hund einen Gefallen und beachten Sie ein paar Regeln bei solchen Spieleinheiten:
 
  • Den Ball, Kong etc. erst werfen, wenn die Musklen des Hundes vom Laufen bereits etwas aufgewärmt sind
  • Einen weichen und sicheren Untergrund wählen, der Hund soll keiner Gefahr ausgesetzt werden
  • Das Spielzeug in Laufrichtung des Hundes werfen, damit er sich nicht dauernd hektisch wenden muss
  • Wie oft man wirft, ist individuell zu erwägen, jedoch gilt: Weniger ist mehr (aufhören, wenn es am Schönsten ist)
  • Das Spiel nie abrupt beenden sondern langsam ausschleichen lassen, in der Bewegung langsamer werden, z.B. Zerrspiel machen etc.
  • Den Hund nicht unkontrolliert hinter dem Ball / Spielzeug her hetzen lassen - sondern den Hund absitzen/stehen lassen, Ball werfen und erst nach Blickkontakt in den Apport schicken!
  • Zum Abschluss den Hund noch eine ruhige Beschäftigung machen lassen, dafür sorgen, dass er in seiner Erregung wieder runterfährt z.B. Leckerliteppich bestreuen, Futterbeutel verstecken etc. zusammen mit der konditionierten Entspannung helfen wir unserem Hund aus dem Jagd-und Hetzmodus wieder in den Alltag zurück zu kehren.
  • Die Entspannung wird in Zeit gemessen mindestens oder aber genau so lange mit dem Hund gemacht, wie das Spielzeug geworfen wurde

Den Hund einen Ball jagen zu lassen ist alles andere als natürlich. Wir können damit lediglich für den Moment seinen angeborenen Beute-Hetztrieb befriedigen. Vielen Hunden macht diese Art von Spiel grosse Freude, die Suchtgefahr allerdings ist enorm und bei unsachgemässer Anwendung kippt das Verhalten vieler Hunde; Aus Freude wird Frust, sie werden zu Kläffern, die es kaum erwarten können, den Ball zu jagen. Sie fixieren das Spielzeug, springen ständig an uns Menschen hoch und sind in völliger "Alarm"/Hetzbereitschaft.
 
Sinnvoller sind Spiele, die unsere Hund in ihren Fähigkeiten fördern und artgerecht auslasten. Nasenarbeit ist für praktisch alle Hunde eine immer sehr willkommene Beschäftigung, die wir unseren Hunden in ganz unterschiedlichen Arten anbieten können. Ob Mantrailing, Verlorensuche eines mit Duft präparierten Gegenstandes, Dummy oder ein Futterbeutel, Futtersuchspiele...es lassen sich viele Dinge vor der Hundenase verstecken.
 

Kommentare:

  1. Vielen Dank für diesen Artikel :) Ich gebe es ja zu, Inuki ist auch süchtig nach Spielzeug. Es ist schwierig immer die richtige Dosis zu finden - aber machbar wie man an deinen Tipps sieht.

    Liebste Grüße
    Dani mit Inuki und Skadi

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  2. Ich finde den Beitrag sehr informativ. Socke ist zwar kein Balljunkie, aber die Information zum Aufwärmen und dem Ausschleichen des Spieles sind auch für mich sehr spannend.

    Vielen Dank und viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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  3. Das ist ein ganz toller Artikel. Emma und Lotte sind keine Balljunkies Sie apportieren nicht gern, obwohl wir es oft geübt haben. Aber nach dreimal Ball/Spielzeug oder Futterbeutel holen, ist es ihnen genug. Die Nasenarbeit ist ihnen viel lieber.
    Liebe Grüße vom Emma und Lotte Frauchen

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  4. Ein toller Artikel! Charly ist zum Glück kein Balljunkie. Im Gegenteil, er ist der Meinung : Frauchen, wenn du den Ball wirfst, dann hohle ihn auch selber zurück. Ich warte hier auf dich.

    Für Schnüffelspiele ist er jederzeit zu begeistern!

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly

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